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Mit freundlicher
Erlaubnis von Frau Susanne Huber, Mutter von Susanne Anatchkova |
Freimütig gestehe ich, dass ich bis zum Pfingstsonntag 2011 Frau
Anatchkova gar nicht kannte und dass es ein nächtlicher Vogel war, der
mir das unbestreitbare und in gewisser Weise auch ganz unbeschreibliche
Vergnügen ihrer Bekanntschaft bescherte. Ich war an diesem Tage etwas
früher als üblich ins Bett gegangen, hatte noch etwas gelesen und wollte
mich dem Schlummer überantworten, als das plötzlich einsetzende Notturno
eines (von mir nicht identifizierten) Vogels meine diesbezüglichen
Bemühungen zum Scheitern verurteilte. Ich schaltete das Licht wieder an
(in der stillen Hoffnung, er möge seine Darbietungen bald beenden) und
meinen Fernseher ein. Ich klickte verschiedene Sender
durch, bis ich auf Bayern Alpha (12.6.2011 um 22.15 Uhr) landete und die in
frappierender Weise über die Tasten huschenden Hände und Finger von
Susanne Anatchkova sah. Ich befand mich in dem unter ihrer Regie und
nach ihren Vorstellungen entstandenen Film "Im Prestissimo" und war
fasziniert.
Man stelle sich vor, ein Film über Klavieretüden, von Carl Czerni
bis György Ligeti und Pascal Dusapin! Etüden mag mancher, der sich dem Piano
verschrieben hat, in gar nicht einmal so guter Erinnerung haben. Das
Bild endloser Quälereien und Repetitionen entsteht vor dem inneren Auge.
Jedoch Etüden von List und Chopin gehen weit über den ursprünglichen
pädagogischen Aspekt hinaus und sind aus den Konzertsälen nicht mehr
fortzudenken.
Die Komponisten, die Susanne Anatchkova Revue
passieren lässt, sind Carl Czerny, Claude Debussy, Johann Baptist Cramer,
Franz Liszt, Frédéric Chopin,
Leopold Godowski, György Ligeti und Pascal Dusapin (1955-). Die Grundkonzeption des Films,
Gespräche von Frau Anatchkova in historischem Ambiente und historischen
Gewändern mit den jeweiligen Komponisten und ihr Vortrag der teilweise
"höllisch" schwierigen Stücke am Flügel hat mich nicht nur überzeugt,
sondern begeistert. Die Texte zu den Gesprächen recherchierte die
Pianistin sorgfältig aus der Literatur (Briefe), soweit möglich. Das
Gespräch mit Pascal Dusapin konnte sie in Paris persönlich führen, bei
den anderen Komponisten wurden diese durch Schauspieler dargestellt.
Aufbau und Machart des Films garantieren ohnehin
schon einen für das Auge sehr opulenten Rahmen, in den die
hochattraktive Pianistin sich völlig zwanglos als das entscheidende
Glanzlicht einfügt. Hinzu kommt die
Opulenz des Klavierspiels, die an keiner Stelle die gerade bei Etüden
notwendige Präzision vermissen lässt, aber auch der Emotion lebhaften
Ausdruck verleiht (etwa bei Liszt's Un sospiro).
Ich bin von Frau Anatchkova schlicht und
ergreifend begeistert und werde ihr weiteres musikalisches Schaffen von
nun an mit
Aufmerksamkeit verfolgen. Ihr Film ist auf DVD erhältlich unter
http://imprestissimo.com/. Ein
Interview mit ihr lässt sich unter
www.musik-heute.de/406/interview-pianistin-susanne-anatchkova/ finden.
Ihre Homepage lautet
www.susanne-anatchkova.com . |