Beethoven

Start Nach oben Wetter Anfahrt Kontakt Inhalt Suchen Impressum

Start
Nach oben 

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

Ich bin mir zuweilen nicht sicher, wen ich für den Größeren halten soll, Ludwig van Beethoven oder Gustav Mahler, und ich helfe mir dann aus meiner subjektiven Verlegenheit, dass ich diese Frage für unerheblich erkläre. Als Sinfoniker haben sie uns Heutigen und der Musikgeschichte beide entscheidende und richtungweisende Impulse gegeben. Unter Einbezug der verschiedenen Gattungen war Beethoven der bei weitem Umfänglichere. Seine gesamte Kammermusik (bei Mahler kaum vorhanden), seine Messe in C-Dur und die gewaltige Missa solemnis, seine Klavierkonzerte, das Tripelkonzert, die Violinromanzen und das Violinkonzert, die Oper Fidelio, seine Schauspielmusiken, all dieses offenbart einen musikalischen Kosmos, der schier unendlich scheinen will. Mit Beethoven hat die Musikgeschichte die Klassik bereits verlassen und sich der Romantik zugewandt. Und oft will es scheinen, als habe Beethoven die Romantik schon übersprungen und führe direkt in die Moderne.   Das Adagio aus Karl Amadeus Hartmanns sechster Sinfonie erinnert mich nicht nur entfernt an Beethovensche Adagii. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich nur allein diesen Eindruck haben sollte.

 

Dann der ganz unverwechselbare Klang seiner Orchestermusik. Bereits in seiner ersten Sinfonie (C-Dur) ist dieser Klang zu spüren. Ungewöhnlicherweise beginnt der erste Satz (Adagio molto) mit einem Septimakkord (C7), der nach Auflösung (F) drängt. Eine zweite Dissonanz (G7) folgt, die sich nach C auflöst. Und erst nach 12 Takten leitet diese Introduktion zum eigentlichen Hauptthema (Allegro con brio) über. Das geht alles weit über Mozarts Jupiter-Sinfonie hinaus, die oft im Zusammenhang mit Beethovens Erster erwähnt wird.

 

In seiner zweiten Sinfonie (D-Dur) dauert das einleitende Adagio molto noch länger, bis sich das Allegro con brio (als eigentliches Satztempo) mit dem Hauptthema in Bratschen und Violoncelli unverkennbar meldet.

 

Die dritte Sinfonie (Eroica) wird in Instrumentierung und Harmonik deutlich rauer, während die Vierte ein ausgesprochen schwungvolles Stück ist. In der Fünften schließlich ist ein einsamer Höhepunkt abendländischen sinfonischen Schaffens erreicht. Ein knappes Motiv reicht als Keimzelle für eine ganze Sinfonie!

 

 In der sechsten Sinfonie haben wir es mit einem schönen und heiteren Werk zu tun, das leider von lahmarschigen Dirigenten oft so verhunzt wurde, dass man sich nur zu Tode langweilen und weghören konnte. In den richtigen Tempi gespielt (hier waren Michael Gielen und Roger Norrington richtungweisend) ist es ein wunderbares Stück sinfonischen Schaffens.

 

Die "tänzerische" Siebte und ihre Synkopen vor allem im letzten Satz sind mit das Belebendste, was ich je gehört habe. Die Achte mit ihren gewollten Anklängen an Mälzels Metronom, ein schönes heiteres Werk!

 

Und dann die Neunte! Sie, die schon in der Fantasie c-moll für Chor, Klavier und Orchester (op. 80) eine gewisse Vorbereitung erfuhr, und die Missa solemnis, Meilensteine der Sinfonik! Alles was danach geschrieben wurde, ist ohne diese Kulminationspunkte nicht denkbar.

 

Ich habe zu Beethovens Musik einen unmittelbaren Zugang. Mit seinen Lebensdaten (1770-1827) reicht er in das Jahrhundert hinein, in dem mein Großvater geboren wurde (1890). Sie spricht mich mit ihrer unverstellten Wucht an, sie berührt mich zuinnerst mit ihren ruhigen Passagen. Ein solcher Zugang ist mir beispielsweise zu den Werken eines Johann Sebastian Bach (der laut dem ihn schätzenden Beethoven besser Meer hätte heißen sollen) nicht gegeben. Auch Haydn und Mozart, die ich durchaus schätze und gern höre, können nicht diese Resonanz in mir auslösen.

 

Ich habe nebst Partituren einiges an Literatur über Beethoven, wobei natürlich auch gewisse Skurrilitäten aus dem Leben dieses fantastischen Mannes berichtet werden. Da sind Dinge dabei, die einen vor Lachen vom Klavierhocker fallen lassen, so wenn er sich erhitzt einen Kübel Wasser über den Kopf schüttet, das durch die nicht sehr wasserfeste Decke seinen Weg in die Wohnung darunter nimmt. Über die Tragik seines Lebens (Taubheit) möchte ich mich hier nicht weiter verlieren. Sie kann einen mitfühlenden und musikalischen Menschen nur erschüttern.

 

Wenn ich zu Hause Beethovensche Musik höre, dann bin ich meistens für mich allein. Dem Lautstärkeregler am Verstärker wird der Befehl "Sinfonik" gegeben, die er sofort und ohne zu Murren an Lautsprecherboxen und Subwoofer weiterleitet. Und dann tauche ich ein in den Beethovenschen Kosmos und bin beim Auftauchen oft auf angenehme Weise erschöpft.

 

 

Start Nach oben Wetter Anfahrt Kontakt Inhalt Suchen Impressum