Hindemith

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Paul Hindemith 1895-1963

Quelle: Paul-Hindemith-Institut Frankfurt/M.

1963, also dem Todesjahr Hindemiths, machte ich am Lübecker Johanneum mein Abitur. Meine Großmutter wollte mir zur bestandenen Prüfung etwas schenken und ich wünschte mir eine Schallplatte mit der Sinfonie "Mathis der Mahler" von Hindemith. Bereits im Musikunterricht (am Lübecker Johanneum die meiste Zeit mit dem leider viel zu früh verstorbenen Marienkantor Hans-Jürgen Wille) faszinierte mich dieser Komponist, den andere Klassenkameraden (mir völlig unverständlich) als eher misstönend empfanden. Wenn man an der Kleinen Nachtmusik Mozarts (zweifellos ein schönes Stück) klebt und sich Neuem nicht öffnen mag, nun ja, dann hört man wohl so. Musikhören und Musikverstehen wollen gelernt sein. Jemand wie Arnold Schönberg stieß damals auf völliges Unverständnis, ebenso elektronische Musik, um die sich der NWDR unter Herbert Eimert und Karlheinz Stockhausen so verdient gemacht hatte, und die mich ebenfalls faszinierte..

 

Wunderbar Hindemiths "Nobilissima Visione", seine "Sinfonischen Tänze" und das Bratschenkonzert "Der Schwanendreher" (nach alten Volksliedern). Ich bin ein absoluter Fan des oft zu Unrecht als zweitrangig behandelten Streichinstrumentes Bratsche. Die Uraufführung des Schwanendrehers mit Hindemith als Solist fand am 14. November 1935 in Amsterdam mit dem Concertgebouw Orkest unter Willem Mengelberg statt, jenem Dirigenten, der sich unermüdlich für die Aufführung der Mahlerschen Orchesterwerke eingesetzt hatte.

 

Während der Gedenksendungen zu Mahlers 100. Todestag, die ich ziemlich umfänglich verfolgte, griff ich auch wieder zu der CD (nun nicht mehr Schallplatte) mit der Sinfonie "Mathis der Mahler" (gespielt vom NDR-Sinfonieorchester unter Hans Schmidt-Isserstedt). Was Hindemith allein mit den Blechbläsern macht, gewaltig. Die Behandlung der Streicher, ausdrucksvoll und virtuos.

 

In meinem Bücherregal steht auch Hindemiths musiktheoretisches Werk "Unterweisung im Tonsatz" (B. Schott's Söhne, Mainz 1940 in einer Sonderausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt). Es ist ein dreibändiges Werk:

Theoretischer Teil

Übungsbuch für den zweistimmigen Satz

Übungsbuch für den dreistimmigen Satz,

in dem Hindemith die klassische Dur-Moll-Tonalität zu überwinden sucht. Eine hochinteressante Lektüre.

 

Ich habe ja nun eine ganze Reihe von Jahren in Frankfurt am Main und der näheren Umgebung (Oberursel) gelebt und gearbeitet und war während dieser Zeit mit dem Frankfurter Dialekt recht vertraut geworden. In einem Fernsehfilm über das RSO Frankfurt und seine Dirigenten war auch ein Ausschnitt mit Hindemith bei Probenarbeiten zu sehen. Und als ich den gebürtigen Hanauer Bub so "rischtisch schee uff Hessisch" mit den Musikern "babbele" hörte, da kam "ärschendwie" eine recht behagliche Stimmung auf, die mich doch zu erfreutem Schmunzeln animierte.
 

 

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