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1963, also dem Todesjahr
Hindemiths, machte ich am Lübecker Johanneum mein Abitur. Meine
Großmutter wollte mir zur bestandenen Prüfung etwas schenken und ich
wünschte mir eine Schallplatte mit der Sinfonie "Mathis der Mahler" von
Hindemith. Bereits im Musikunterricht (am Lübecker Johanneum die meiste
Zeit mit
dem leider viel zu früh verstorbenen Marienkantor Hans-Jürgen Wille)
faszinierte mich dieser Komponist, den andere Klassenkameraden (mir
völlig unverständlich) als eher misstönend empfanden. Wenn man an der
Kleinen Nachtmusik Mozarts (zweifellos ein schönes Stück) klebt und sich
Neuem nicht öffnen mag, nun ja, dann hört man wohl so. Musikhören und
Musikverstehen wollen gelernt sein. Jemand wie Arnold Schönberg stieß damals auf
völliges Unverständnis, ebenso elektronische Musik, um die sich der NWDR
unter Herbert Eimert und Karlheinz Stockhausen so verdient gemacht
hatte, und die mich ebenfalls faszinierte..
Wunderbar Hindemiths
"Nobilissima Visione", seine "Sinfonischen Tänze" und das Bratschenkonzert
"Der Schwanendreher" (nach alten Volksliedern). Ich bin ein absoluter
Fan des oft zu Unrecht als zweitrangig behandelten Streichinstrumentes
Bratsche. Die Uraufführung des Schwanendrehers mit Hindemith als Solist
fand am 14. November 1935 in Amsterdam mit dem Concertgebouw Orkest
unter Willem Mengelberg statt, jenem Dirigenten, der sich unermüdlich
für die Aufführung der Mahlerschen Orchesterwerke eingesetzt hatte.
Während der Gedenksendungen
zu Mahlers 100. Todestag, die ich ziemlich umfänglich verfolgte, griff
ich auch wieder zu der CD (nun nicht mehr Schallplatte) mit der Sinfonie
"Mathis der Mahler" (gespielt vom NDR-Sinfonieorchester unter Hans
Schmidt-Isserstedt). Was Hindemith allein mit den Blechbläsern macht,
gewaltig. Die Behandlung der Streicher, ausdrucksvoll und virtuos.
In meinem Bücherregal
steht auch Hindemiths musiktheoretisches Werk "Unterweisung im Tonsatz"
(B. Schott's Söhne, Mainz 1940 in einer Sonderausgabe der
Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt). Es ist ein dreibändiges
Werk:
Theoretischer Teil
Übungsbuch für den
zweistimmigen Satz
Übungsbuch für den
dreistimmigen Satz,
in dem Hindemith die
klassische Dur-Moll-Tonalität zu überwinden sucht. Eine hochinteressante
Lektüre.
Ich habe ja nun eine ganze
Reihe von Jahren in Frankfurt am Main und der näheren Umgebung
(Oberursel) gelebt und gearbeitet und war während dieser Zeit mit dem
Frankfurter Dialekt recht vertraut geworden. In einem Fernsehfilm über
das RSO Frankfurt und seine Dirigenten war auch ein Ausschnitt mit
Hindemith bei Probenarbeiten zu sehen. Und als ich den gebürtigen
Hanauer Bub so "rischtisch schee uff Hessisch" mit den Musikern
"babbele" hörte, da kam "ärschendwie" eine recht behagliche Stimmung auf,
die mich doch zu erfreutem Schmunzeln animierte.
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