Hundeleben

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Knafti
Bolvo
Vita 

Ohne Hund ging und geht es nicht! 1978 war es so weit! Ich machte mich nach Jahren leitender Positionen in anderen Marktforschungsinstituten mit einem eigenen Marktforschungsunternehmen in Oberursel selbständig. Meine Frau arbeitete damals noch bei einem Marktforschungsinstitut in Wiesbaden, verließ morgens das Haus und kam abends wieder. Ich fand jedoch, das Bedürfnis nach Affiliation (Gesellschaft) sei etwas sehr Menschliches, und eröffnete meiner Frau, ich wolle mir einen lang gehegten Wunsch erfüllen, nämlich einen Hund anschaffen. Ich hätte ja nun die notwendige Zeit für einen solchen Kameraden und der Hund würde mich davon abhalten, zum Sesselfurzer zu degenerieren. Auch meine Frau konnte sich mit diesem Gedanken anfreunden und auf ging's: zum Tierheim in Oberursel.

Wir fanden dortselbst ein kleines Wollknäuel, das hinter dem Drahtzaun in unserer Richtung hochsprang und uns mit aller Dringlichkeit signalisierte, es sei höchste Eisenbahn, es herauszuholen und unserem Haushalt einzugliedern. So geschah es dann! Der damalige Tierarzt fragte uns, ob wir mal einen Blick auf die Pfoten des Kleinen geworfen hätten: "Der wird mal sehr groß!" Er wurde es!

Es handelte sich um einen quicklebendigen Mischling aus irischem Wolfshund und einer Colliehündin. Der Psychologe Hermann Ebbinghaus (1850-1809, Abbildung rechts) erforschte um 1890 herum Lern- und Gedächtnisleistungen mit Hilfe sinnarmer Silben. Meine Frau und ich - beide auch beruflich in Ebbinghausens Spuren - bedienten uns ebensolcher Silben und nannten den Hund Knafti. Der Name erschien Nachbarn und Freunden gewöhnungsbedürftig, aber dadurch lässt sich ein Psychologe nicht irritieren und beirren. Der Name hatte zwei Vorteile:

  •  Er ist eben wegen dieser seiner Ungewöhnlichkeit schnell zu merken und keinesfalls so gewöhnungsbedürftig, wie die anfängliche Kritik monierte und zum anderen

  •  über weite Distanzen gut zu  brüllen und für den Hund verständlich.

Knafti lebte - für einen Hund seiner Größe sehr ungewöhnlich - sechzehneinhalb Jahre, bis wir ihn schweren Herzens erlösen lassen mussten. Ich sagte damals zu meiner Frau, dass ich keinen Hund wieder haben wolle: "So einen Hund wie Knafti kriegen wir nie wieder!"

Ungefähr ein halbes Jahr nach seinem Dahinscheiden rief uns eine Freundin aus dem Ruwerdorf Hentern an, ob wir nicht wieder einen Hund haben wollten. Eine andere Freundin hätte den Hund erst einmal von einer jungen Frau übernommen, wo es dem armen Tier nicht besonders gut gegangen war (Drogen- und Alkoholprobleme, jähzorniger Freund usw.). Die beiden Freundinnen erschienen mit einem sehr verschüchterten Retrievermischling, der zwei meiner Kumpels und mich kurz anwuffte, und sich dann unter die Fittiche meiner Frau und unserer beiden Besucherinnen begab.

Die Kumpels und ich saßen gerade beim Abendbrot, das meine Frau uns bereitet hatte, nach dem wir für eine Anbauerweiterung ein Betonfundament gegossen hatten. Ich dachte noch "Na, wir werden wohl keine Freunde werden!" und nahm ein mit Leberwurst bestrichenes Brot, entfernte die Gurkenstückchen und rief in die Richtung des Hundes: "Na komm!" Er kam tatsächlich, nahm das Wurstbrot sehr vorsichtig und brachte es erst einmal in Sicherheit. Nach einer Weile rief ich ihn erneut, er kam, nahm, fraß und legte seinen Kopf auf meinen Oberschenkel. Ich streichelte ihn und er blieb bei mir. Wir verabredeten, dass der Hund in einer Woche zu uns "auf Probe" kommen solle: Welch ein Blödsinn! Der Hund kam und blieb sechzehn Jahre, fast so lang wie sein Vorgänger, bis wir ihn ebenfalls wegen Schwäche und ziemlicher Bewegungsunfähigkeit einschläfern lassen mussten. In strenger Ebbinghaus'scher Tradition erhielt auch er einen Namen aus sinnarmen Silben: Wir nannten ihn Bolvo. Der Name erschien Nachbarn und Freunden gewöhnungsbedürftig, aber dadurch lässt sich ein Psychologe nicht irritieren. Der Name hatte zwei Vorteile:

  •  Er ist eben wegen dieser seiner Ungewöhnlichkeit schnell zu merken und keinesfalls so gewöhnungsbedürftig, wie die anfängliche Kritik monierte und zum anderen

  •  über weite Distanzen gut zu  brüllen und für den Hund verständlich.

Falls der Eindruck entstanden sein sollte, ich hätte mich eben wiederholt, so trügt dieser Endruck keinesfalls. Nach Bolvo entschlossen wir uns (meine Frau etwas weniger ausgeprägt als ich), nun keinen Hund mehr anzuschaffen. Wir wollten (nun beide schon nicht mehr berufstätig) unabhängig und frei beweglich sein.  Dachten wir!

Eines Tages kam es zwischen zwei Nachbarshündinnen zu einer wilden Beißerei auf Leben und Tod, so dass die beiden getrennt werden mussten. Wir nahmen die eine der beiden Hündinnen zu uns. Unsere Vita ist ein ausgesprochen anhänglicher Hund. Gehe ich kurz zum Mülleimer, sie folgt mir und geht auch ebenso bereitwillig wieder ins Haus zurück. Saust sie hinter irgendeinem Tier (meistens ein Vogel) her und jagt den Berghang hoch, ein Pfiff von mir und schon ist sie wieder bei mir. Liege ich auf der Couch, so liegt sie hinter mir, den Kopf entweder auf meinen Füßen oder auf meiner Hüfte. Wir sind des öfteren schon beide so eingeschlafen. Diese Szenerie hat etwas entschieden Einlullendes, aber auch einen großen Nutzeffekt: Wie oft schon hat sie uns vor langweiligen Fernsehprogrammen bewahrt. Im Gegensatz zu mir frühstückt meine Frau; Vita frühstückt mit ihr. Mindestens dreimal am Tag unternehmen wir längere Wege, Post holen und dann weiter durch den Wald. Dann kommt die Nachmittagstour und schließlich die letzte abendliche Runde um das Haus.

Nach zwei Rüden war es zunächst gewöhnungsbedürftig, dass sie eben nicht das Bein hebt, sondern sich hockt. Ganz tief gehockt = Pieseln und halbe Hocke = großes Geschäft. So ist das mit Vita. Sie ist jetzt ungefähr sieben Jahre alt. Wir hoffen, dass sie noch lange und gesund bei uns bleibt. Unsere Gleichung heißt Y = 32 + X. Y bedeutet die Zeit mit Hunden überhaupt, 32 steht für die 32 Jahre mit unseren beiden Rüden und X für die Zeit mit Vita.

Eine letzte Anmerkung zu Hermann Ebbinghaus! Sinnarme Silben bestehen eigentlich aus zwei Konsonanten, die einen Vokal umschließen, also XOK oder NUV. In diesem Sinne folgen unsere Namen Knafti und Bolvo nicht ganz dem Ebbinghaus'schen Schema. Wir hätten für einen dritten Rüden auch schon den gleichfalls gut brüllbaren Namen Lumfo gehabt, aber Vita war ja nun einmal kein Rüde und Vita hieß ja schon Vita. Bolvo hatte übrigens vorher Sascha geheißen, ein Name, der meiner Frau und mir nun überhaupt nicht zusagte. Bolvo hatten wir auf Lager und Bolvo wurde es.

 

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