Inbal

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Eliahu Inbal, Dirigent

1936 wurde Eliahu Inbal in Jerusalem (Israel) geboren. Er studierte an der Musikakademie dortselbst Violine und Komposition. Eine Empfehlung Leonard Bernsteins verhalf ihm zu einem Stipendium für seine Weiterbildung in der Dirigentenklasse am Pariser Konservatorium. Für mich persönlich wichtig war seine Zeit als Chefdirigent des Radiosinfonieorchesters Frankfurt des Hessischen Rundfunks (1974 - 1990).

 

Während dieser Zeit besuchten meine Frau, mein Freund Winfried, dessen Frau und ich  seine Aufführungen in der Alten Oper in Frankfurt/Main. Das wunderbar wieder hergerichtete und restaurierte Opernhaus bildete die stilvolle Umgebung für diesen unglaublichen Dirigenten. Neben seinen Aufführungen der Sinfonien Anton Bruckners und der sinfonischen Werke Hector Berlioz' waren es die Mahlerschen Sinfonien, die uns zu verlässlichen Pilgern in das Opernhaus werden ließ.

 

Unvergesslich wird mir stets die Aufführung von Mahlers achter Sinfonie bleiben. Diese Sinfonie erfordert neben Orgel auch Fernorchester und speziell platzierte Gesangssolisten und Chöre. Nicht umsonst wurde sie schon während ihrer Uraufführung in München als "Sinfonie der Tausend" apostrophiert. Inbal hatte hervorragende Solisten verpflichtet, unter anderen auch den verstorbenen Hermann Prey. Und in diesem "Kessel von Musik" stand der eher kleinwüchsige Eliahu Inbal und entfesselte die ganz einmalige Tonsprache Gustav Mahlers und bändigte sie zugleich. Ich hatte den Eindruck, Gustav Mahler selbst (ebenfalls kein Hüne) stünde dort und brächte uns seine Sinfonie zu Gehör. Ich war einfach überwältigt. Ich habe noch heute in den Ohren "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis", zunächst im Pianissimo (was nur mit einem vollstimmigen Chor gelingt, sonst wird es piepsig), dann sich steigernd. Und dann "Das ewig Weibliche zieht uns hinan!" - Unvergessen. Unvergessen auch der damalige Paukist des RSO, der bei Paukenwirbeln, die fortissimo kommen sollten, bereits in der Luft vorwirbelte, um dann seine Kanonade des Paukenfells mit sattem Einsatz zu starten.

 

Wenn ich heute Mahleraufführungen höre (auf CD, im Rundfunk, im Fernsehen oder im Konzertsaal), dann kann ich den Vergleich mit Inbal einfach nicht abschalten. Ich widme mich durchaus der laufenden Darbietung, aber bei signifikanten Abweichungen von den tief in mich eingebrannten Inbal'schen  Interpretationen geht ein internes rotes Lämpchen an. Anlässlich einer Aufführung von Mahlers neunter Sinfonie mit dem Concertgebouw-Orchester unter Bernhard Haitink  habe ich den Fernseher abgeschaltet. Ich habe dieses Stück noch nie so abgehackt und zusammenhanglos gehört, was mich bei dem ansonsten durchaus geschätzten Haitink umso mehr wundert. Bevor ich mich weigere, eine Mahlersinfonie zu hören, muss es schon katastrophal dick kommen.

 

Wer einmal die Leichtigkeit des Anfangsthemas aus Mahlers vierter Sinfonie gehört hat (con molto comodo), mit den leichten Verzögerungen und dann Wiederaufnahmen des Ursprungstempos, der will diese Sinfonie nur noch in der Inbal'schen Fassung hören. Man kann mir hier Subjektivität nachsagen, aber wohl kaum vorwerfen. Natürlich bin ich subjektiv, aber das Ganze hat auch viel mit dem zu tun, was ich weiter oben auf dieser Seite mit Eigentempo beschrieben habe, zu dem sich auch eine gewisse Eigendynamik hinzugesellt. Und Mahler via Inbal lässt keinen Zweifel daran, wie diese herzustellen seien.

 

Ich könnte jede einzelne der 10 Sinfonien Mahlers und sein Lied von der Erde aufgreifen. Inbal hat uns mit seinen auch auf CD verewigten und preisgekrönten Aufführungen der Mahler-Sinfonien ein wunderbares Geschenk gemacht.

 

Seine Aufführung von Berlioz "Sinfonie fantastique", seine schwungvolle Wiedergabe von Ravels Rhapsodie espagnole sollen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Ich verfolge den weiteren Weg Inbals über das Internet.

 

 

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