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Interpreten |
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Zauberinnen und Zauberer in der Zeit: Musik ist eine sich in der Zeit ereignende Kunst, sie entsteht in ihr und vergeht mit ihr. Und wenn wir einen Teil der uns gegebenen Zeit dem Hören von Musik widmen, dann fühlen wir uns umso reicher beschenkt, je vollendeter und beseelter sie uns dargeboten wird. Jedes Stück hat seinen
eigenen Charakter und sein eigenes Tempo. In der Algebra spricht man vom
Eigenwert einer quadratischen Matrix. In einem verwandten Sinne spreche ich vom
Eigentempo eines Stückes. Hier wird oft viel falsch gemacht. Man erinnere sich
an die Ignoranz vieler Dirigenten gegenüber Beethovens Metronomangaben.
Insbesondere seine sechste Sinfonie ("Pastorale") wurde schon im Anfangssatz oft
quälend langsam zerdehnt und natürlich in ihrem thematischen Zusammenhang
zerstört, desgleichen der dritte Satz der Neunten mit den sogenannten
"himmlischen Längen". Es ist das Verdienst des Dirigenten Michael Gielen, auf
die Unhaltbarkeit solcher Aufführungspraxis hingewiesen und gleichzeitig gezeigt
zu haben, dass Beethovens Tempoangaben ohne weiteres zu realisieren sind. Und
spätestens seit Norringtons Darbietung der Beethoven-Sinfonien auf historischen
Instrumenten in a Einer der schlimmsten Schlepper in meinen Ohren (und Augen) war Sergiu Celibidache (1912-1996), in jungen Jahren ein durchaus kraftvoller Dirigent, der mit zunehmendem Alter und damit korrelierender Leibesfülle immer behäbiger wurde, um es halbwegs schonend auszudrücken, und aus dieser somatisch bedingten Behäbigkeit dann sein musikalisches Credo in Sachen Tempi machte. Der Penguin Guide sprach von "begräbnishaften Tempi" und einer seiner erklärten Gegner, der bekannte Münchner Musikkritiker Joachim Kaiser, warf ihm mangelnde Innenspannung in seinen Interpretationen vor. Dies völlig zu Recht! Je mehr das geschlagene Tempo hinter dem Eigentempo des Stückes zurückbleibt, desto mehr entleert sich der semantische Gehalt der Themen und es bleibt nur noch ein durch unterschiedliche Lautstärken gekennzeichneter Klangschwall. Wenn dann auch noch die Dynamik auf einen stramm durchgehaltenen Mittelwert regrediert, dann ist die Grenze des Erträglichen bereits weit überschritten. Vor diesem Hintergrund überlege man sich einmal, was Celibidache seinen Bläsern zugemutet hat. Er hat ihnen die Lungen förmlich leer gemolken. Man stelle sich vor, Posaunen und Tuba müssen in einem Grave einen Akkord über drei 4/4-Takte (drei durch Haltebögen verbundene ganze Noten) halten, und das bei seinen Tempovorstellungen. Eigentlich müssten die geschundenen Musiker anschließend alle in ein Lungensanatorium zur Nachbehandlung. Natürlich kann das Eigentempo eines Stückes auch in der anderen Richtung überschritten und damit das Stück zerstört werden. Rasende Pianisten und Violinisten zeigen zwar ihre Virtuosität und bringen diese zu Gehör, sie interpretieren aber keinesfalls die Komposition in angemessener Weise. Also ebenfalls Daumen nach unten, obgleich ich von einer römischen imperatorhaften Gestik und damit recht gönnerhaften und blasierten Attitüde ansonsten nicht viel halte. Rasende Sänger(innen) und Bläser(innen) sind mir unter den Solisten nicht bekannt.. Von solch zerstörerischem Umgang mit den von ihnen dargebotenen Werken sind die auf dieser Seite zitierten Interpreten Lichtjahre entfernt oder besser: Sie existieren in einem ganz anderen Universum. Ihnen allen ist jene Art der Interpretation zueigen, die uns (mich jedenfalls) verzaubert.
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