Mein Dorf

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Xynthia
Brückenbau 

Das schöne Schömerich! In einer Chronik über Schömerich fand ich den Hinweis, dass dieser Ort vor seiner sprachlichen Verschleifung zu Schömerich früher einmal Schonbergh (Schönberg) geheißen habe. "Schönberg" würde man im Moselfränkischen "Schönberri(s)ch" aussprechen, um kurz darauf das "b" wegzulassen und das "n" zu "m" umzumodeln: Schon sind wir bei "Schömerich"! Also die Altvordern fanden ihr Dorf auch schon schön, und das mit Recht! Natürlich ist Schönheit eine weitgehend subjektive Angelegenheit, wenngleich hier einige doch weit verbreitete und sogar kulturunabhängige Gesetzmäßigkeiten walten. So sieht man Gesichter für umso schöner an, je mehr sie dem Durchschnitt zufällig ausgewählter Gesichter entsprechen, wie Psychologen in entsprechenden Experimenten mit dafür geeigneten Grafikprogrammen herausfanden.

Nun, die Schönheit eines Dorfes wird sich nicht nur unter solchen Gesichtspunkten betrachten lassen. Was ein Dorf schön macht, das ist auch die Überzeugung, dass es schön sei, hier zu leben. Und das hängt verständlicherweise nicht nur von schöner Natur ab, sondern von der Qualität des Miteinander und Umganges im Dorf. Und in dieser Hinsicht ist Schömerich schon etwas sehr Einzigartiges.

Man kann der Schömericher Webseite entnehmen, wie dort gefeiert wird, wie alle, die keine zwei linken Hände haben, beim Umgestalten und Erweitern des Bürgerhauses und des Feuerwehrgerätehauses geholfen und ihren eigentlich freien Samstag drangegeben und der gemeinsamen Sache gewidmet haben.

Wir wohnen ja etwas außer- und unterhalb des eigentlichen Dorfes, fahren jedoch häufiger nach oben, entweder in den dem Dorf vorgelagerten Weiler Kimmlerhof oder weiter ins Dorf selbst. Und wenn man jemand trifft, und das ist eigentlich die Regel, dann ist immer Zeit für ein Schwätzchen. Und weil es sich trocken auf Dauer nur schlecht sprechen lässt, erfährt das Gespräch eine willkommene Unterstützung durch ein Bierchen (Stubbi, das sind die kleinen bauchigen Flaschen zu 0,33 Litern) oder ein Weinchen. Auch Viez (lateinisch vice vinum: der andere Wein) wird hier getrunken, entsprechend dem "Stöffche" des Frankfurters, dem Äppelwoi. Es gibt aber auch Birnenviez oder gemischten, aus Äpfeln und Birnen. Und der Viez floss in Strömen, als wir im Herbst 2008 unser erstes Kelterfest feierten. Man konnte schon sagen, da war die Hölle los.

Umgekehrt kommen die Dorfleute aber auch zu uns nach unten an die Ruwer, mal den Hund ausführen, mal auch nur so. Dann unterhält man sich, und damit es nicht so trocken wird, befeuchtet man sich dann eben durch ein Bierchen, ein Weinchen oder auch einen Viez.

"Bierchen", "Weinchen": Nicht nur bei diesen Getränken werden gern die Verkleinerungsformen gewählt und auch nicht zur Verharmlosung des fraglichen Gegenstandes. Das haben wir hier überhaupt nicht nötig! Trinkfest sind alle! Nein, im Moselfränkischen (dem hier in vielen Variationen gesprochenen Dialekt) neigt man gern dazu, nicht viel Aufhebens von einer Sache zu machen. Wenn einer einen Zuchtstier kaufen will (also einen in der Tat nicht so ganz schlappen Vierbeiner), dann wird er den Verkäufer fragen: "Wat soll dat Bullchen dann koste?" Und je mehr das ja nur ein Bullchen ist, umso weniger darf er oder es eigentlich kosten. Und wenn der Händler dann sagt: "Druzenhunnert!" (1300), dann wird er sich die Frage gefallen lassen müssen: "Bässe beklopp?"

Meine norddeutschen Landsleute freuen sich gelegentlich diebisch, wenn sie meinen, mit ihrem Niederdeutsch (Plattdeutsch, eigene Sprache mit vielen Dialekten, dazu das Friesische) seien sie für andere ganz unverständlich, so dass man sich in Gegenwart Nicht-Norddeutscher ungeniert äußern könne. Ich bin ja nun gebürtiger Norddeutscher (aus Lübeck und spreche seit Kindesbeinen Niederdeutsch in der lübschen Variante). Eins kann ich euch sagen, ihr Jungs aus dem Norden: Wenn meine moselfränkischen Freunde hier einmal so richtig loslegen, dann habt ihr keine Chance, auch nur andeutungsweise etwas zu verstehen. Da fliegt euch der Draht aus der Mütze! Also bleiben wir lieber bescheiden und freuen uns an der Vielfalt deutscher Sprachen und Dialekte, wobei ich ausdrücklich das zu Unrecht geschmähte Sächsisch mit einbeziehen will. Letzteres erblüht zu einer kaum für möglich gehaltenen Hochform, wenn man es aus dem Munde sächsischer Kabarettisten wie etwa den Academixern hört.

 

 

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