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Klangbildner:
Musik entsteht in der Zeit und vergeht mit ihr. Mit diesem
Prozess sind zwei Kategorien von Menschen befasst, die wir alle dem Begriff des
Musikers subsumieren. Zum einen jene, welche die Musik erschaffen, die
Komponisten, zum anderen jene, die sie zu Gehör bringen, die Interpreten. Gar
nicht so selten finden wir beide Kategorien auch in einer Person vereint.
Mit
immer komplexeren Werken jedoch kommt es zu Spezialisierungen. Da finden sich
dann die Komponisten einerseits, die Dirigenten, Instrumentalisten und
Vokalisten andererseits. Da gibt es auf alte Musik und Instrumente
spezialisierte Fachleute, da gibt es Musikhistoriker, die sich durch die
verschiedensten Bibliotheken wühlen. Da gibt es den besonderen Fall des
Jazzmusikers, der durch den Vorgang des Improvisierens selbst zum Komponisten
wird, wenngleich das vorgestellte Werk verständlicherweise flüchtigerer Natur
sein muss als die nachgespielte Partitur des Komponisten im eigentlichen Sinn
des Wortes.
Ich nehme hier in ganz
subjektiver Weise (wie auch anders) Stellung zu einigen der von mir geschätzten
Komponisten und Interpreten. Das heißt nicht, dass mir andere als die hier
genannten gleichgültig wären (beileibe nicht), sondern wegen eben dieser
Wertschätzung meinerseits nehme ich zu den hier aufgeführten Musikern gesondert
Stellung.
Auch die Tatsache, dass ich
mich hier nicht Jazzmusikern widme, will nicht bedeuten, dass ich ihnen
keine Beachtung schenke. Eine für mich sehr eindrucksvolle Zwischenstellung
nimmt der leider schon verstorbene Komponist Rolf Liebermann ein. Von ihm hörte
ich seinerzeit in Lübeck unter Christoph von Dohnanyi das "Konzert für Jazzband
und Orchester", ein in Form eines Concerto grosso gehaltenes Stück, wobei die
Mannen von Kurt Edelhagens Big Band das Concertino übernahmen. Einfach
hinreißend. Bei dem Klavierpart des Boogie (sauschwer, übrigens die
Zwölftontechnik ist überhaupt nicht hörbar) sträuben sich mir die Nackenhaa re:
Ein klarer Fall für
Susanne Anachkova! Kleiner Tipp an dieser
Stelle: Man höre sich einmal Liebermanns "Furioso für Orchester" an! Um es mit
Wagners Richard zu sagen: "Mein lieber Schwan!" Trotz aller heftigen und
ebenso überflüssigen Kritik von Puristen gegenüber dessen Schaffen höre ich auch
sehr gern Jacques Loussier (Foto links von Jose Luis Lopez). Wieso kommt eigentlich keiner der Puristen auf die
doch naheliegende Idee, nicht hinzuhören? Es beschleicht mich der Verdacht, es
handele sich bei ihnen um missionarische Eiferer. Dave Brubeck und Duke
Ellington gehören zu den Jazzgrößen, denen ich immer wieder gern mit weit
geöffneten Ohrmuscheln lausche. Und natürlich George Gershwin: "Rhapsody in Blue"
(auch eine Art Concerto grosso) und sein "Klavierkonzert in F" kann ich zu jeder
Tageszeit und auch Nachtzeit hören, von den Jahreszeiten einmal ganz zu
schweigen.
Ein Interpret aus dem
Klassikbereich, dem ich aus vollem Herzen Beifall zolle, ist
der Perkussionist Martin Grubinger. Von Hause aus mit eher ruhigem Naturell
versehen (Hanseat und sowieso), neige ich nicht zu Exklamationen heftigerer Art,
sehe mich in seinem Falle jedoch zu einem begeisterten "Phänomenal!" veranlasst.
Allein den körperlichen Leistungen, mit denen Grubinger aufwartet, muss man
höchsten Respekt zollen, und natürlich und zu allererst seiner enormen Musikalität.
Grubinger auf dem Marimbaphon: W ahnsinn! So, jetzt wieder etwas hanseatischer: Er ist noch jung,
von ihm ist noch viel zu erwarten.
Jene Begeisterung, die
Grubinger bei seinen Auftritten in geradewegs ansteckender Weise versprüht, ist
auch einem anderen jungen Musiker zueigen. Was heißt schon "zueigen"? Sie ist
ganz einfach seine Natur. Ich meine den jungen venezolanischen Dirigenten
Gustavo Dudamel (rechts mit seiner Frau, Foto von
Luis Urrego). Wenn dieser junge Mensch
ein europäisches / deutsches Sinfonieorchester dazu bringt, südamerikanische
Stücke mit ihren zündenden Rhythmen zu spielen - und wie er die Musiker dazu
bringt -, dann reibt man sich Augen und Ohren. Wenn sich ja teilweise auch schon
ältere Streicher, Bläser und Perkussionisten dem Zauber südamerikanischer Musik
förmlich hingeben, ja regelrecht davon gepackt werden, dann ist dies alles
diesem Energiebündel Dudamel und seinem Zauberstab zuzuschreiben. Fantastisch!
Um kurz auf den erwähnten Richard Wagner
zurückzukommen. Mein Verhältnis zu ihm kann ich nur als sehr zwiespältig
beschreiben. Es ähnelt dem des argentinisch-israelischen Dirigenten
und Pianisten Daniel Barenboim (Foto links), der sich bei der Wiedergabe
Wagnerscher Musik in Israel scharfer Kritik ausgesetzt sah. Ich schätze
Wagners Musik
durchaus und bin mir
seiner musikhistorischen Rolle (Harmonik, Regietheater, Gesamtkunstwerk) wohl bewusst.
Meine Beurteilung seiner "Dichtkunst" (allgegenwärtige
Alliterationen) fällt weniger günstig aus. Ich bin
kein sonderlicher Opernfreund und höre Wagners Werke eher selten,
so dass die CDs mit seiner Musik ein eher beschauliches Dasein in meinen
Regalen fristen. Andererseits widert mich der Antisemit Wagner an. Das
beruht nicht auf der Wertschätzung Hitlers für die Wagnersche Musik und
das Haus Wahnfried (dafür ist Wagner selbst bei schlechtestem
Willen nicht verantwortlich zu machen), sondern auf den entsprechenden Äußerungen und Publikationen
Wagners selbst: "Das Judenthum in der Musik", 1850. Außer seiner Musik
ist uns Heutigen jedoch auch etwas anderes recht Erfreuliches überkommen,
seine Urenkelin Katharina Wagner (1978-?, siehe Abb. rechts, Foto von
Tafkas, 2009 ), zu deren Geburt er und
Franz Liszt ja nun doch wesentliche Voraussetzungen schufen.
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