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Poet(h)ik: Die Schreibweise dieses ethischen
und moralischen Fragen in der After- bzw. Analkunst gewidmeten Faches ist
uneinheitlich. Wir werden hier keine moralinsauren und in ihrer Wirkung zumeist
gegen Null tendierende Abhandlungen bringen, sondern an handfesten Beispielen
der Afterlyrik und verwandter Sachgebiete zeigen, was hier so im Schwange ist.
Wir werden unser Augenmerk dabei dabei nicht nur auf anale Regionen richten,
sondern auf den ganzen Menschen, der ja schließlich als Pobesitzer fungiert.
Über Luthers These "Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz" haben
wir bereits
anderen Orts das Notwendige gesagt. Bezüglich
der Instrumente und Vortragsweisen eines Flatulisten (Kunstfurzer) und damit
zusammenhängender Themen kann sich der Leser in unserem
Musiklexikon informieren.
Bei dem von Jan Wäner (aus
dem Rheiderland am Dollart in Ostfriesland, ???? - 1999) stammenden Gedicht füge
ich eine hochdeutsche Übersetzung hinzu, um es auch dem nicht-niederdeutschen
Publikum zugänglich zu machen.
Jan Wäner
Dat twäde Gesicht
'T was Sömmermörgen, wat düster was't noch,
as Oma de Opa de Tee henbroch.
Dat was he so wennt siet Johr un Dag,
wenn Opa wat langer in'd Feeren lag.
Hum fehlde wieder nix, hä haar'd bloot mit'd Bän,
dorför kunn Oma nät halfgeot mehr sähn.
Nu har Opa, dat mutten Ji wäten,
bied' rumschören sien Achterdör blootreten.
As Oma hum nu'd Tee langt un Krintstuut 'n Happ,
seggt'd mit änmal "Pfffft!" un dat nät teo knapp,
dat Opas Gesicht dat nät was, dat sach Oma nät.
"Bruukst nät mehr pusten", seggt sä, "Tee is nät mehr hät"
Das zweite Gesicht
Es war ein Sommermorgen, fast noch Nacht,
als Oma dem Opa den Tee gebracht.
Das war er gewohnt seit Jahr und Tag,
wenn Opa mal länger in den Federn lag.
Ihm fehlte weiter nichts, er konnt’ bloß schlecht gehn,
dafür konnte Oma nun nicht mehr gut sehn.
Nun hatte Opa – er hatte sich bewegt –
Beim Rumdrehn sein Arschloch bloßgelegt.
Als Oma Tee ihm gibt und vom Korinthenkuchen was ab,
sagt’s mit einmal „Pfffft“ und das nicht zu knapp.
Dass Opas Gesicht das nicht war, Oma ja nicht weiß:
„Brauchst nicht mehr pusten!“ sagt sie, „Der Tee ist nicht heiß.“
Ach...
Ach, ich muss mich niederlegen.
An mir nagt der Übelwurm.
Aus dem Schädel flieht der Bregen.
Durch die Hose pfeift der Sturm.
Ach, wär' ich noch ein Knäblein jung
und voller bester Laune.
Da war ich voller Überschwung
und der Arsch wie die Posaune.
Ach, es hängt der Arsch in Fetzen,
und ich stolpre blöd umher.
Einst konnte ich wie Nurmi wetzen:
Heut‘ geht‘s dem Schniedel ganz verquer.
Ach, bettet mich zur letzten Ruhe
auf diesen Marmor-Katafalk.
Und spendet Schnaps mir aus der Truhe:
Dann sterb‘ ich friedlich nun als Alk.
Übel
Ach, es riecht
nach Übeldunst,
alle sind am
Würgen.
So zu scheißen
ist 'ne Kunst
und das kann
nur der Jürgen.
Der gefangene Rabe
Als ihn am Ei ein Rabe fasst’,
erbleichte Wilhelm Schabegast.
Bestürzt rief er dem Vogel zu:
„He, lasse meinen Sack in Ruh’!
Tu das Zwicken meiner Lenden
umgehendst schnell beenden.“
Doch dieser blinzelt heiter:
„Nein, nein! Ich mache weiter!“
Dies wollt’ nicht leiden Schabegasten
Und hub an, den Vogel einzuknasten.
Drum merke:
Wer andern an die Eier geht,
mit einem Bein im Knast schon steht.
Der Koprophage
Aus ihres Arsches strammen Backen,
beide wohl gerundet,
wird sie mir ein Würstchen kacken,
das vortrefflich mundet.
Paketzustellung
oder
Der Gesang der Migrantin
(Paketmann auf der ersten Silbe
betonen, "s" außerhalb "st" immer stimmhaft.
Dieser Beitrag ist politisch nicht
korrekt, wozu auch?)
Montag bis
Samstag:
Cheute koomt der Paketmann.
Ich muus vor Vroide laachen:
Er chat keine Hosen an
Und will mir ein’n maachen.
Sonntag:
Cheute koomt kein Paketmann.
Ich muus vor Drauer wainen:
Er bechält die Hosen an,
ist nichts zwischen Bainen.
Klistier
Schwachen Sinnes
lieg' ich hier
und stiere vor
mich hin.
Aus meinem Arsch
ragt ein Klistier,
weil ich stark
verstopft heut' bin.
Noch mal gut gegangen
Ich höre Stimmen
wie von weit
und stehe auf dem
Schlauch.
Ich seh', wie der
Psychiater winkt
und wie sein Arm
enttäuscht dann sinkt;
denn jetzt hört
er sie auch.
Der Untergang
Und es fuhr das
Flaggschiff
voll Rohr auf ein
Kackriff.
Danach hat es
gestunken
und ist dann
schnell gesunken.
Phantoms Glied
Es war in den sechziger Jahren in Kiel, noch zu
Studienzeiten. Ich befand mich mit einer Kommilitonin in einem Stehcafé, wie sie
damals allenthalben aus dem Boden schossen, in angeregter Unterhaltung. An dem
Tisch neben uns stand eine jüngere Frau, die wohl aus Langeweile den I nhalt
unseres Gesprächs aufzuschnappen versuchte. Sie schien unserer verschlungenen
Pfaden folgenden Unterhaltung aber nichts für sie Aufregendes entnehmen zu
können. Das änderte sich schlagartig in dem Augenblick, als sich unser Diskurs
dem Thema "Phantomglied" zuwandte. Man muss wissen, zu der damaligen Zeit waren
die Feuilleton-Seiten diverser Gazetten durch kleine Comic-Strips mit einem
Batman sehr ähnlichen Knaben bevölkert, der in einem Ganzkörper-Trikot mit
ovalem Gesichtsausschnitt steckte und Phantom hieß. Selbstverständlich handelte
es sich hierbei um einen mit gewaltigen Kräften ausgestatteten Wohltäter der
Schwachen und Entrechteten. Als wir zufällig unsere Blicke schweifen ließen,
sahen wir die weit aufgerissenen Augen unserer Nachbarin, die uns anstarrte, und
uns wurde schlagartig klar, welche Assoziationen sie mit dem "Phantomglied"
verband. Wir wandten uns ab, um nicht lauthals herauszuplatzen. Die Dame ging
dann, nicht ohne uns noch lange zu mustern, von einer Mischung aus heimlichem
Grauen und Faszination ergriffen. Den von uns im Zusammenhang mit dem
Phantomglied auch erörterten Phantomschmerz schien sie schon nicht mehr
wahrgenommen zu haben.
Nachfolgend einige Erläuterungen aus dem Lexikon der
Psychologie, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg Berlin, 2000:
Phantomempfindung, Wahrnehmung von Körperempfindungen,
wie Jucken, Kribbeln oder Lagewahrnehmung bei einem nicht mehr vorhandenen,
amputierten Körperteils. Die Person empfindet das verlorene Körperteil, als sei
es noch in Funktion. Behandlungsbedürftig sind schmerzhafte Empfindungen
(Phantomschmerz). Erklärt werden Phantomempfindungen durch eine spontane
Aktivierung der Zellverbände im somatischen Kortex, die vor der Operation durch
afferente und efferente Nervenfasern mit dem verlorenen Körperteil verbunden
waren. Das Auftreten von Phantomempfindungen kann nicht unterdrückt werden.
Phantomglied, amputierter bzw. verlorenener Körperteil (Hand, Arm, Fuß),
der als noch vorhanden wahrgenommen wird (Phantomempfindung).
Phantomschmerz, der Schmerz, der häufig nach Amputation oder Verlust
eines Körpergliedes auftritt. Mit Hilfe der Elektroenzephalographie lässt sich
zeigen, dass der Phantomschmerz immer nur die Patienten heimsucht, bei denen der
somatische Kortex – die Verarbeitungsstelle für Körperwahrnehmungen – einem
intensiven "Umbau" unterzogen wurde.

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