Tafelmusik

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Intrada
Amuse gueule
Hummer
Pfeffersteak
Dolci
Alles Käse
Espresso 

Kleine Tafelmusik: Bei dem Musikstück "Die Tage dieses Sommers" erwähnte ich, man solle einmal wieder Tafelmusiken schreiben. Ich gestehe: Ich habe es getan, natürlich ganz anders als Georg Philipp Telemann (1681-1767, siehe linke Abbildung) seinerzeit. Es resultierte eine siebensätzige Tafelmusik, deren Verlauf meiner Einschätzung nach ganz abwechslungsreich ist. Man sollte sie vielleicht doch nicht zu einer Mahlzeit hören, sondern lieber danach, wenn man sich schon gestärkt hat und nun dem Weingenusse frönt. Bei dieser Musik sind alle Weinarten (rot, rosé, weiß) zugelassen. Auch ein kühles Blondes (gegebenenfalls akkompagniert durch ein Schnäpschen) kann hier durchaus dem Genusse förderlich sein, während eine heiße Blonde der doch notwendigen Konzentration eher abträglich wäre.

Die Instrumentierung verdient wohl eher das Attribut "ungewöhnlich". Das Stück wurde für die folgenden Instrumente geschrieben:

  •  Flöte

  •  Englisch Horn

  •  Bassklarinette

  •  Horn

  •  Cello

  •  Klavier

In einer Intrada versammeln sich die Gäste bei Smalltalk, bis sie ein aufgeblasener Zeremonienmeister oder Majordomus in den Festsaal führt. Bei einem Amuse gueule ertönt Geschwätz und irgendwelche Musik, eben Tafelmusik. Ein widerspenstiger Hummer versucht, seinem Koch zu entkommen und ein Jungbulle muss nicht ohne Gegenwehr sein Leben für Pfeffersteaks drangeben. Ein für die Einleitung seines Ablebens bestellter Jäger drückt zweimal ab: einmal das Gewehr und einmal in die Hose. Zwei italienische Kellner Claudio und Ettore singen Santa Lucia beim Servieren des Desserts (Dolci). Der Duft einer opulenten Käseauswahl wird durch die Blähungen eines Kommerzienrates empfindlich gestört und Espresso und Grappa trinkt man zu einem Tango, bei dem eine scharfe Enddreißigerin sich den Kellner Ettore zu einem anzüglichen Tanze schnappt.

Man könnte anhand dieser Beschreibung den Eindruck gewinnen, es handele sich hierbei um Programmmusik. Es ist Programmmusik. Der alte und seinerzeit zwischen der neudeutschen Schule (Liszt, Wagner) einerseits und den Brahmsianern (Brahms, von Bülow nach seinem Zerwürfnis mit Wagner) zum anderen tobende Streit für und wider die Programmmusik dürfte heute überwunden sein. Der Hauptvorwurf war, ein Programm sei etwas völlig Außermusikalisches, habe also in der musikalischen Invention nichts, aber auch gar nichts zu suchen (absolute Musik). Natürlich kann ich mir ein Thema zusammenklimpern, mache eine Fuge daraus und niemand käme auf den Gedanken, es handele sich um Programmmusik, vor allen Dingen dann nicht, wenn ich verschweige, dass mir das Thema in einer Nacht voller Sehnsucht nach der nicht anwesenden heimlichen Geliebten einfiel. Ich bestreite hier allerdings öffentlich, über eine solche zu verfügen. An irgendetwas (und sei es die Steuererklärung) denkt jeder Komponist beim Schreiben. Ob er es äußert oder als Programm seiner Musik voranstellt, bleibt ihm überlassen. Bei dieser kleinen und wohl etwas unüblichen Tafelmusik fand ich, es würde den Witz des Stückes steigern, wenn ich kleine Erläuterungen gäbe, die auch in der Partitur vermerkt sind.

Einzelcharakteristiken und Hörproben können auf der linken Navigationsleiste abgerufen werden.

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